Vermessungsbüros werden in der Regel wie ganz normale Unternehmen geführt. Unabhängig davon, wie die aktuelle Rechtsform ist, sind bestimmte Regeln bei der Abrechnung, Steuerabführung, Mitarbeiterschutz und -versicherung usw. einzuhalten. Eine besondere Bedeutung kommt selbstverständlich der Abrechnung der erbrachten Leistung zu. Im Wesentlichen wird für den Bereich der Vermessung dabei nach zwei Hauptgruppen unterschieden:

  • hoheitliche Vermessungsaufgaben
  • Vermessungsaufgaben im Zusammenhang mit Baumaßnahmen.

Während zur ersten Gruppe eine Regelung durch die Länder erfolgt, gibt es für den gesamten Komplex der Vermessungsaufgaben im Zusammenhang mit Baumaßnahmen eine einheitliche gesetzliche Regelung.

Für die Ermittlung der Honorarsätze für eine ganze Reihe von Ingenieurleistungen wurde mit der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI), veröffentlicht im Gesetz zur Regelung des Mietpreisanstieges und der Architekten und Ingenieurleistungen vom 04.11.1971, BGBl. 1, 1745 und 1749, eine einheitliche Regelung für die Honorarermittlung für Architekten- und Ingenieurleistungen geschaffen.

In seiner Gesamtheit hat sich dieses Gesetz bewährt und ist nur durch weitere Artikel ergänzt worden. Durch Novellierungen der Honorartabellen wurde die Anpassungen an das bestehende Preisniveau erreicht.

Das war einmal!!!!

Die HOAI ist immer noch die Verordnung des Bundes zur Regelung der Vergütung der Leistungen von Architekten und Ingenieuren in Deutschland. Sie gilt für Bauingenieure, Bauphysiker, Versorgungsingenieure,  Elektroingenieure,  Vermessungsingenieure, etc.

Die HOAI ist ein verbindliches Preisrecht für Planungsleistungen im Bauwesen, wobei Abweichungen nur in wenigen definierten Fällen möglich sind. Sie ist ein Gesetz zur Regelung von Ingenieur- und Architektenleistungen.

Die Höhe der Vergütung ist abhängig von:

  • Der Aufgabenstellung
  • Dem Schwierigkeitsgrad (Honorarzone)
  • Den anrechenbare Kosten (z.B. Herstellungskosten des Objekts)
  • Den tatsächlich erbrachte Leistungen (verschiedene Leistungsphasen). Werden nur bestimmte Teilleistungen erbracht, so sind diese auch nur zu honorieren.

Welche Leistungen ein Ingenieur zu erbringen hat, wird in einem Werkvertrag (§§ 631 ff BGB) zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer abgeschlossen. Die Basis der Honorarhöhe ist hierbei die HOAI.

War die „alte“ HOAI noch in 15 Teile gegliedert mit spezifischen Regelungen im XIII Teil ( Vermessungstechnische Leistungen… §§ 96- 100 ), wobei die Honorartafeln verbindlich festgesetzte Mindest- und Höchstsätze festlegte, ist dies seit der Reform im Jahre 2009 nicht mehr der Fall.

Folgende Änderungen haben sich mit der Reform im Jahre 2009 ergeben:

  • Es erfolgte eine Anhebung aller Honorarsätze um 10 % (nach 14 Jahren)
  • Die HOAI gilt nur für Büros mit Firmensitz in Deutschland
  • Verbindliche Stundensätze fallen weg
  • Seit 2009 gibt es mehr Verhandlungsspielraum
  • Regelungen für folgende Leistungen entfallen komplett:

    • örtliche Bauüberwachung

  • folgende Leistungen wurden als Beratungsleistung eingestuft:

    • thermische Bauphysik,
    • Schallschutz,
    • Raumakustik,
    • Bodenmechanik,
    • vermessungstechnische Leistungen

Der Unterschied zwischen Planungsleistungen und Beratungsleistungen lässt sich wie folgt beschreiben:

  • Planungsleistungen:

    • überwiegend reine Planungsleistungen
    • „…systematischen Prozess zur Festlegung von Zielen und künftigenHandlungen.“
    • „…regelmäßig die Schaffung von etwas Neuem.“

  • Beratungsleistungen:

    • allgemeine Begutachtung eines Sachverhaltes im Hinblick auf eine Fragestellung
    • „…Vermessungsleistungen gehen zwar einer Planung voraus, sie sind jedoch nicht als eigenständige Planung anzusehen.“
    • „…Zusammenfügen technischer Daten, Planungswerke, Satzungen
    • ...sind, als gutachterliche Leistungen anzusehen und nicht als Planungen zu definieren.“

Beratungsleistungen sind nicht verbindlich und lediglich im Anhang der HOAI 2009 geregelt

  • Beratungsleistungen sollen nicht durch den Staat reguliert werden
  • Wie auch am Beispiel des Rechtsanwaltsvergütungsgesetz aus dem Jahre 2006, sollen staatlichePreisregulierungen für Beratungsleistung entfallen

Daraus folgt, dass die Vergütung einer Beratungsleistung frei vereinbart werden kann!

In der Anlage der Beratungsleistungen unter 1.5 finden wir die Vermessungstechnische Leistungen, die sich folgendermaßen gliedern:

  • Entwurfsvermessungen für Planung
  • Bauvermessungen für den Bau und die Bestandsdokumentation
  • Vermessungen an Objekten außerhalb der Entwurf- und Bauphase

Die Folgerungen aus der neuen HOAI lassen sich zusammenfassen:

  • Die Vergütung für Vermessungsleistungen kann frei vereinbart werden
  • Der Verhandlungsspielraum wurde enorm erweitert
  • Es erfolgte eine stärkere Einbindung einer betriebswirtschaftlichen Kostenkalkulation
  • Die HOAI spielt für den Vermessungsbereich nur noch eine Nebenrolle (Orientierungsmöglichkeit)
  • Der Werkvertrag gewinnt mehr an Bedeutung
  • Es entstehen Probleme für das Vermessungswesen:

    • Gefahr eines ruinösen Preisdumpings
    • Qualitätseinbruch aufgrund des Kostendrucks