Das Verfahren der Real-Time-Kinematik Vermessung (RTK-Vermessung) ist das gängige GPS- Vermessungsverfahren. Bis vor einigen Jahren konnte man Genauigkeiten im Zentimeterbereich nur erreichen, indem man zunächst genügend Satellitendaten mit zwei oder mehr Empfängern über einen längeren Zeitraum erfasste und die Daten dann in einem zweiten Schritt auf einem Computer mit sog. “Postprozessing Software” ausgewertet.

Mit den aktuellen im Vermessungsbereich einsetzbaren Real-Time-GPS Ausrüstungen lassen sich diese Genauigkeiten mit einigen Einschränkungen auch erreichen. Dafür ist es erforderlich, dass die Trägermischphase ( Signale die der Satellit aussendet von zwei simultan registrierenden GPS-Empfängern in Echtzeit ausgewertet werden können. Um den Schritt des Postprozessing zu eliminieren und Koordinaten mit Zentimetergenauigkeit in Echtzeit zu erhalten, musste eine Datenübertragung mittels Telemetrie realisiert werden.

Gleichzeitig mussten leistungsstarke Algorithmen zur Lösung des Mehrdeutigkeitsproblems geschaffen werden.

RTK-Vermessung kann in zwei Varianten realisiert werden. Zum einen als lokale Lösung, bei der beliebig viele Rover (GPS-Empfänger die bewegt werden) mit der Basis (GPS-Empfänger der nicht bewegt wird) eine Einheit bilden. Zu dieser Einheit gehören neben den GPS-Empfängern die Software für Referenzstation und Rover, ein Sender in der Basisstation und Empfänger in den Rovern. Von fast allen Herstellern geodätischer Instrumente werden derartige Systeme angeboten.

Für den Nutzer haben sie den Vorteil, dass es sich um ein unabhängiges System handelt, ohne eventuelle Kompatibilitätsprobleme. Als Nachteil sind die Gerätemehrkosten anzusehen, da der Nutzer im Gegensatz zur Nutzung von Trimble VRSNow mindestens zwei Empfänger finanzieren muss. Die Reichweite der Telemetrie  ist in Deutschland auf 1 Watt begrenzt. Daraus ergibt sich unter optimalen Bedingungen eine Reichweite von max. 10 km. Leider erreichen die Systeme in der Praxis in Anbetracht der topographischen Situation oft nur 4 Kilometer. Abhilfe können hier sog. Repeater schaffen, die das Signal der Basis auf halber Strecke zum Rover verstärken und somit eine größere Reichweite garantieren.

Wir haben über mehrere Jahre Verfahren mit einer eigenen Basis eingesetzt. Seit 2004 sind wir fast ausnahmslos mittels GSM und UMTS im sogenannten NTRIP Verfahren unterwegs. Der größte Vorteil die schnelle Arbeitsweise bei sehr schnellen Innitalisierungszeiten.

Warum RTK-Vermessung?

In der topographischen Geländeaufnahme, bei Detailvermessungen, Absteckungen, Grenzvermessungen oder bei der Anlage von lokalen Netzen waren die Vermesser in der Vergangenheit gezwungen, logistische Einschränkungen in Kauf zu nehmen, die vielfach durch das eingesetzte Instrumentarium hervorgerufen wurden.

Diese mit klassischen Verfahren durchgeführten Vermessungen konnten zwar in Echtzeit ausgeführt werden, d.h. die Koordinaten und Messwerte lagen schon im Felde vor, allerdings sind sie in Bezug auf Produktivität und Effizienz nicht mit GPS-Anwendungen zu vergleichen.

GPS wird allerdings nie die klassischen Verfahren in der Vermessung vollständig ablösen, sondern immer in Kombination eingesetzt werden.