Bei der GPS Auswertung unterscheidet man entsprechend der Beobachtungsart in:

Die Auswertung einer geodätischen GPS-(Postprocessing ) Messung besteht im allgemeinen aus zwei Teilen :

Erzeugung einer Sessionslösung:

Dies ist die eigentliche GPS-Auswertung. Bei einer Anzahl n Empfängern pro Session erhält man für jede Session dreidimensionale Vektoren oder dreidimensionale Koordinaten der besetzten Punkte.

Netzausgleichung:

Durch die Netzausgleichung werden die Koordinaten aller an dem Projekt beteiligten Punkte durch eine in der Regel dreidimensionale Ausgleichung der im ersten Schritt erzeugten Vektoren oder Koordinaten erzeugt. Dieser Teil der Auswertung ist nicht GPS-spezifisch.

Für beide Teile gilt, dass die erreichbare Genauigkeit abhängig ist von der Genauigkeit der Datenqualität. Auch ein erfahrenen GPS-Auswerter ist nicht in der Lage, aus schlechten Daten ein gutes Ergebnis zu erzeugen.

Bei einer GPS-Auswertung besteht jedoch mehr als bei der Auswertung von terrestrischen geodätischen Messungen die Möglichkeit und die Notwendigkeit, das Ergebnis zu optimieren. Bei der Erzeugung von Sessionlösungen gibt es im Vergleich zu der Auswertung von terrestrischen Messdaten drei Besonderheiten:

  • Beobachtungsfehler im eigentlichen Sinne gibt es nicht
  • Die Qualität des Beobachtungsmaterials kann von Standpunkt zu Standpunkt und auf einem Standpunkt zu jedem Satelliten von unterschiedlicher Qualität sein.
  • Die Anzahl der Beobachtungen ist im allgemeinen so groß, dass es fast immer verantwortbar ist, schlechtes Datenmaterial von der Auswertung auszuschließen. Die Kunst der GPS-Auswertung besteht darin, gutes und schlechtes Datenmaterial im Auswerteprozess zu erkennen und entsprechend zu behandeln.

Informationen über die Datenqualität liegen schon vor der Auswertung vor und sollten auch von vornherein genutzt werden. An Hand dieser Informationen kann der erfahrene Auswerter einen Eindruck darüber gewinnen, mit welchem Ergebnis er rechnen kann. Im Extremfall kann er Punkte von vornherein aus der Auswertung ausschließen.

Enthalten sind diese Informationen in

  • den Punkteinmessungen im Zusammenhang mit den Satellitenvorhersagen aus den Almanachdaten,
  • den bei den Beobachtungen geführten Feldbüchern.

Bei der Netzausgleichung spielen auch Beobachtungsfehler eine Rolle. Insbesondere sind dies:

  • Zentrierfehler
  • falsch aufgemessene Antennenhöhen

Derartige Fehler sind nicht immer zu vermeiden, können aber die vollständige Auswertung von größeren GPS-Messungen sehr erschweren, eventuell unmöglich machen.

Bei der Netzausgleichung mischen sich diese Fehler mit den GPS-Unsicherheiten. Das Problem besteht darin, dass beide Fehlerarten nicht voneinander getrennt werden können. Weiter ist in fast allen Fällen bei der Netzausgleichung die Redundanz nicht so groß, dass auf einzelne Sessionen verzichtet werden kann. Dennoch muss es das Ziel der Auswertung sein, schlechte Sessions oder schlecht bestimmte Punkte zu erkennen und von der weiteren Auswertung auszuschließen bzw. eine gezielte Nachmessung zu veranlassen.

Im Idealfall ist der Auswerter auch bei der Messung beteiligt. Ein geringerer zeitlicher Abstand zwischen Messung und Auswertung erleichtert meist die Fehlersuche.

Ideal ist es noch am gleichen Tag auszuwerten. Je größer ein Netz ist, desto mehr vermischen sich GPS-spezifische Fehler mit den sog. Beobachtungsfehlern. Es empfiehlt sich daher bei großen Netzen, die Sessions schrittweise zusammenzufassen. Diese Vorgehensweise eröffnet bei Problemen die Chance zu erkennen, welches Sessionergebnis fehlerhaft ist.

 

Auswertung von Real-Time-Kinematik ( RTK ) Vermessungen:

Auswertungen von RTK Vermessungen reduzieren sich in der auf die Dokumentation erfassten Koordinaten. Neben der Prüfung von Parametern zur Definition von Bezugssystemen, werden auch die Qualitätsmerkmale und die redundante Erfassung geprüft.